Schaf­fung von mut­ter­sprach­li­chen Psy­cho­the­ra­pie­an­ge­bo­ten für Flüchtlinge

Sach­ver­halt

Flücht­linge sind von ihren Erleb­nis­sen oft trau­ma­ti­siert und brau­chen psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Hilfe. Da aber die wenigs­ten Flücht­linge Deutsch spre­chen, ist eine Psy­cho­the­ra­pie in die­sen Fäl­len nur mit Über­set­zern mög­lich. Das erschwert die ohne­dies oft schwer zu errei­chende psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lung noch zusätz­lich. Ange­bote in den jewei­li­gen Mut­ter­spra­chen gibt es kaum und Dol­met­scher wer­den oft nicht bezahlt. Bei­des wäre aber drin­gend nötig, um ins­be­son­dere Kin­dern- und Jugend­li­chen zu hel­fen, ihre Erleb­nisse zu verarbeiten.

In dem Ver­trag der Freien und Han­se­stadt Ham­burg mit der AOK Bremen/​Bremerhaven, der die Ver­sor­gung der Flücht­linge regelt, ist der­zeit vor­ge­se­hen, dass Psy­cho­the­ra­pien nur im Aus­nah­me­fall und nur als Kurz­zeit­the­ra­pien bewil­ligt wer­den dür­fen. Per­spek­ti­visch ist eine Anpas­sung die­ser Rege­lun­gen bis 2015 not­wen­dig, da dann eine Umset­zungs­frist einer euro­päi­schen Richt­li­nie abläuft. Mit der Ände­rung die­ser EU-Richt­li­nie über die Auf­nah­me­be­din­gun­gen wur­den die Rege­lun­gen zur the­ra­peu­ti­schen Ver­sor­gung von psy­chisch kran­ken Flücht­lin­gen neu gefasst und konkretisiert.

Dem recht­li­chen Anpas­sungs­be­darf geht aber der fak­ti­sche drin­gende Bedarf an mut­ter­sprach­li­chen Psy­cho­the­ra­peu­ten und geeig­ne­ten Dol­met­schern vor­aus, der auch immer wie­der von Initia­ti­ven und Orga­ni­sa­tio­nen ange­mahnt wird. Ent­spre­chende Ange­bote könn­ten durch Errich­tung eines Behand­lungs­zen­trums, durch Unter­stüt­zung bereits vor­han­de­ner und zukünf­ti­ger Initia­ti­ven, z.B. Haveno im Gesund­heits­zen­trum St. Pauli, durch Schaf­fung eige­ner direk­ter Ange­bote oder durch eine Son­der­be­darfs­zu­las­sung des gemein­sa­men Lan­des­aus­schus­ses geschaf­fen werden.

Beschluss­vor­schlag

Die Vor­sit­zende der Bezirks­ver­samm­lung wird gebe­ten, sich bei der Behörde für Arbeit, Sozia­les, Fami­lie und Inte­gra­tion sowie der Behörde für Gesund­heit und Ver­brau­cher­schutz dafür ein­zu­set­zen, mut­ter­sprach­li­che Psy­cho­the­ra­pie­an­ge­bote – gerade für Flücht­linge – zu schaf­fen und die Finan­zie­rung von geeig­ne­ten Dol­met­schern zu gewährleisten.

Uwe Giffei, Gabor Gott­lieb und SPD-Fraktion
Gabriela Küll und Frak­tion Die Grünen