Wie schützt sich Eims­büt­tel vor Starkregen?

Kleine Anfrage nach § 24 BezVG des Mit­glieds der Bezirks­ver­samm­lung Eims­büt­tel, Ernst Chris­tian Schütt (SPD-Frak­tion):

Stark­re­gen – extreme Nie­der­schläge, bei denen in einem sehr kur­zen Zeit­raum eine große Menge Regen nie­der­pras­selt – sind für das Leben in Ham­burg schon lange ein wich­ti­ges Thema. Bei außer­ge­wöhn­li­chen Rege­n­er­eig­nis­sen kann die Was­ser­menge die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tät des Siel­net­zes, der Grä­ben und Gewäs­ser über­schrei­ten und erheb­li­che Schä­den ver­ur­sa­chen. Nicht zuletzt wegen des men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­dels wer­den Stark­re­ge­n­er­eig­nisse in Deutsch­land in Zukunft vor­aus­sicht­lich wei­ter zunehmen.

Das Thema Stark­re­ge­n­er­eig­nisse und die dar­aus resul­tie­ren­den Fol­gen haben die Bezirks­po­li­tik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon mehr­fach beschäf­tigt, u.a. im Zusam­men­hang mit dem Hoch­was­ser­schutz im Ein­zugs­ge­biet der Kollau (Druck­sa­che 20–2506) und bei der Vor­stel­lung des Pro­jekts RISA (Regen­In­fra­Struk­tur­An­pas­sung) im Novem­ber 2018 im dama­li­gen Aus­schuss für Grün, Umwelt, Wirt­schaft und Verbraucherschutz.

Vor die­sem Hin­ter­grund frage ich den Bezirksamtsleiter:

1. Gab es in den Jah­ren seit 2015 im Bereich der Tar­pen­bek, der Müh­lenau und der Kollau sowie ihrer Zu- und Abflüsse Stark­re­ge­n­er­eig­nisse und dar­aus resul­tie­rende Über­schwem­mun­gen mit signi­fi­kan­ten Aus­wir­kun­gen auf die Bevölkerung?
Wenn ja, wie hat der Bezirk dar­auf reagiert, um für die Zukunft Abhilfe zu schaf­fen? Wel­che Aus­wir­kun­gen hat in die­sem Zusam­men­hang der in eini­gen Gebie­ten – z. B. im Bereich der Alten Kollau in Lok­s­tedt und auch im Schnel­se­ner Mär­chen­vier­tel – hohe Grundwasserspiegel?

Bei extre­men Stark­re­ge­n­er­eig­nis­sen kommt es gele­gent­lich zu Ufer­über­trit­ten an den genann­ten Gewäs­sern. In der Regel sind davon die Betriebs-/Wan­der­wege betrof­fen, die dann für einen kur­zen Zeit­raum nicht nutz­bar sind oder es gibt Ein­tritte in Gär­ten und Wie­sen. Am 10.06.2020 kam es zu einem extre­men Stark­re­ge­n­er­eig­nis auf­grund eines Gewit­ters über Eidels­tedt (Jähr­lich­keit 80 Jahre). Dies führte zu einem Ufer­über­tritt an der Müh­lenau im Bereich Furt­weg bis Kie­ler Straße, was auch zu Was­ser­ein­brü­chen in Keller/​Garagen zweier Wohn­häu­ser führte. Hier wurde hin­ter­her die Düker­an­lage am Furt­weg gerei­nigt, ein vor­han­de­ner Wall im Bereich Furt­weg erhöht. Zur­zeit ist der Bau einer kur­zen Hoch­was­ser­schutz­wand im Bereich Kapi­tel­busch­weg ent­lang der Müh­lenau geplant, um Tief­punkte aus­zu­glei­chen und einen bes­se­ren Schutz der Anwoh­ner zu gewähr­leis­ten. Es wur­den auch im Nach­gang Gesprä­che vor Ort mit den betrof­fe­nen Anwoh­nern geführt, zur Klä­rung wie das Was­ser auf die Grund­stü­cke gelang­ten und was Grund­stücks­ei­gen­tü­mer tun kön­nen zum Eigen­schutz. Zu den Aus­wir­kun­gen auf­grund der Grund­was­ser­spie­gel ist die Frage an die BUKEA zu richten.

2. Wel­che Maß­nah­men wur­den und wer­den im Bezirk Eims­büt­tel getrof­fen, um mit Extrem­wet­ter­si­tua­tio­nen umzu­ge­hen und Schä­den mög­lichst abzu­wen­den bzw. gering zu hal­ten? Wie wer­den ins­be­son­dere bewertet:
a) die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten von Bächen und Gewässern?

Siehe 2c).

b) der Zustand und die Rohr­durch­mes­ser des Abwasserleitungssystems?

Regen­was­ser­siele fal­len in die Zustän­dig­keit von Ham­burg Wasser.

c) der Zustand der Grä­ben und die War­tung des Grabensystems?

Ant­wort zu a) und c): Die Gewäs­ser im Ver­wal­tungs­ver­mö­gen der Was­ser­wirt­schaft wer­den regel­mä­ßig began­gen und unter­hal­ten. Ziel ist es, unter Berück­sich­ti­gung der öko­lo­gi­schen Ansprü­che an die Gewäs­ser auch die hydrau­li­sche Leis­tungs­fä­hig­keit der Gewäs­ser einschl. der Ver­roh­run­gen und Durch­lässe zu erhal­ten. Hierzu wer­den regel­mä­ßig Unter­hal­tungs­ar­bei­ten durch­ge­führt, u.a. die soge­nannte Herbst­mahd, Rei­ni­gung der Rechen als wich­tigs­tes Instru­ment für einen freien Abfluss, Ent­fer­nung von Ver­le­gun­gen z.B. durch umge­stürzte Bäume, Ein­kaufs­wa­gen etc. und Durch­lass­rei­ni­gun­gen. Die Auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten von Bächen und Gewäs­sern sind natür­lich begrenzt. Ansons­ten siehe auch Ant­wort zu Frage 1. und 3.

3. Ober- und unter­ir­di­sche Rück­hal­te­räume sind geeig­net, um bei einer wei­te­ren Flä­chen­ver­sie­ge­lung Regen­mas­sen auf­zu­neh­men mit dem Ziel, die Ent­wäs­se­rungs­sys­teme nicht zu über­las­ten. An wel­chen Stel­len sind im Bezirk Eims­büt­tel bereits Rück­hal­te­be­cken ein­ge­rich­tet wor­den, wie hoch ist jeweils das maxi­male Rück­hal­te­vo­lu­men und wo sind wei­tere Anla­gen geplant?

Eine Liste der vor­han­de­nen Hoch­was­ser­rück­hal­te­be­cken mit den ent­spre­chen­den Rück­hal­te­vo­lu­men ist ange­fügt. Zur­zeit sind keine neuen Hoch­was­ser­rück­hal­te­be­cken in Pla­nung. In dicht besie­del­ten Räu­men wie im Bezirk Eims­büt­tel ist es auch auf­grund der viel­fäl­ti­gen Nut­zungs­wün­sche für die letz­ten freien Flä­chen und der Klein­tei­lig­keit der Flä­chen sehr schwie­rig, Flä­chen für neue Hoch­was­ser­rück­hal­te­be­cken zu fin­den, auf denen sinn­voll und wirt­schaft­lich ver­tret­bar sol­che Maß­nah­men umge­setzt wer­den kön­nen. In Pla­nung befin­den sich aber wei­tere Schaf­fun­gen von Sekun­där­auen an den genann­ten Gewäs­sern im Zuge von Rena­tu­rie­rungs­maß­nah­men, um den Gewäs­sern mehr Platz zu geben bei gleich­zei­ti­ger öko­lo­gi­scher Aufwertung.

Die Schaf­fung neuer Hoch­was­ser­rück­hal­te­be­cken ist zwar durch­aus sinn­voll, „schwächt“ aber im Grunde nur die Sym­ptome ab, dass die Gewäs­ser zu viel Was­ser mit sich füh­ren, zu schnell auf Stark­re­ge­n­er­eig­nisse ansprin­gen. Daher wird auch in Eims­büt­tel seit län­ge­rer Zeit, dass Prin­zip der dezen­tra­len Rück­hal­tung ver­folgt, d.h. Rück­halt des Nie­der­schlags, wo er anfällt, ohne dass die­ser sofort und in vol­ler Stärke zum Gewäs­ser geführt wird, son­dern das Nie­der­schlags­was­ser zeit­lich ver­zö­gert zu den Gewäs­sern gelangt oder ein Teil ver­si­ckert und ver­duns­tet wird und so gar nicht zum Gewäs­ser gelangt. Hier sei auch das Ham­bur­ger Pro­jekt Regen­was­ser­in­fra­struk­tur­an­pas­sung (RISA) genannt. In der Pra­xis erfolgt die­ses durch Ein­leit­men­gen­be­gren­zun­gen. Dies führt dann dazu, dass durch die Antrag­stel­ler auf ihrem eige­nen Grund­stück Rück­halte- oder Ver­si­cke­rungs­an­la­gen mit ent­spre­chen­den Dros­seln errich­tet wer­den müssen.

4. Wird das Vor­ha­ben eines Regen­rück­hal­te­be­ckens unter dem Sport­platz an der Döhrnt­wiete (Beschluss der Bezirksversammlung/​Drucksache 20–3376) aktu­ell wei­ter­ver­folgt? Wenn ja, wie ist der Status?

Das Bezirks­amt beab­sich­tigt u.a. gemein­sam mit inter­es­sier­ten Sport­ver­ei­nen die Sport­flä­che an der Döhrnt­wiete wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Erst in dem Moment, in dem zeit­lich abseh­bar ist, wann und wie die Flä­che her­ge­rich­tet wird, wird auch der Bau eines unter­ir­di­schen Rück­hal­te­be­ckens geprüft.

Anlage