Zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten für Kin­der- und Jugendpsychotherapeut*innen schaffen

Viele Kin­der und Jugend­li­che lei­den sehr unter der seit über einem Jahr andau­ern­den Corona-Pan­de­mie und den damit ver­bun­de­nen Ein­schrän­kun­gen. Die „COPSY“-Studie des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Ham­burg-Eppen­dorf zeigte jüngst, dass mitt­ler­weile fast jedes dritte Kind psy­chi­sche Auf­fäl­lig­kei­ten auf­weist. Mehr als 70% der befrag­ten Kin­der und Jugend­li­chen füh­len sich durch die Corona-Krise see­lisch belas­tet, das Risiko für psy­chi­sche Auf­fäl­lig­kei­ten hat sich fast verdoppelt.

Ein alar­mie­ren­des Bild von Belas­tun­gen in der Corona-Pan­de­mie zeich­net auch der Bun­de­ver­band der Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten. Die Aus­wer­tung von aktu­el­len Daten von mehr als 10.000 Kin­dern und Jugend­li­chen zeigt, dass diese psy­cho­so­ziale Beein­träch­ti­gun­gen bis hin zu psy­chi­schen Stö­run­gen ent­wi­ckelt haben: Kin­der und Jugend­li­che haben ver­stärkt Ängste und befas­sen sich ver­mehrt mit dem Thema Tod. Auch die Psy­cho­the­ra­peu­ten­kam­mer Ham­burg bestä­tigt, dass sich der psy­chi­sche Zustand von Kin­dern und Jugend­li­chen durch die Pan­de­mie dra­ma­tisch ver­schlech­tert hat: Mitt­ler­weile müss­ten sich Kin­der und Jugend­li­che in The­ra­pie bege­ben, die ohne Corona gar nicht behand­lungs­be­dürf­tig gewor­den wären. Durch ein­ge­schränkte soziale Kon­takte zu Freun­den sowie Kita- und Schul­schlie­ßun­gen wer­den psy­chi­sche Belas­tun­gen und Auf­fäl­lig­kei­ten nicht nur mit ver­ur­sacht son­dern auch weni­ger schnell oder gar nicht offen­sicht­lich. Die Dun­kel­zif­fer an behand­lungs­be­dürf­ti­gen Fäl­len wird des­halb sehr viel höher eingeschätzt.

Dem gestie­ge­nen The­ra­pie­be­darf steht mitt­ler­weile jedoch ein Man­gel an Plät­zen für Kin­der und Jugend­li­che bei KV-zuge­las­se­nen Psychotherapeut*innen, sowohl im nie­der­ge­las­se­nen als auch im sta­tio­nä­ren Bereich gegen­über. Obwohl in Eims­büt­tel ver­gleichs­weise viele Psychotherapeut*innen zuge­las­sen sind, rei­chen diese bei wei­tem nicht aus, den aku­ten Bedarf auch nur annä­hernd zu decken. Ter­mine für Erst­ge­sprä­che wer­den auf­grund der gesetz­li­chen Ver­pflich­tung zwar wei­ter­hin ver­ge­ben, eine anschlie­ßende Psy­cho­the­ra­pie kann aber nur in weni­gen Fäl­len ange­bo­ten wer­den, da die Kapa­zi­tä­ten erschöpft sind.

Um die Zukunft der Kin­der und Jugend­li­chen zu sichern, müs­sen ihre Bedürf­nisse drin­gend mehr unter­stützt und in den Fokus gerückt wer­den – auch im psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Bereich.

Ein tem­po­rä­rer Aus­bau der kin­der- und jugend­the­ra­peu­ti­schen Ver­sor­gung ließe sich mit­tels Ertei­lung soge­nann­ter Ermäch­ti­gun­gen zügig errei­chen. Sie erlaubt es Ärz­ten und Psy­cho­the­ra­peu­ten für einen fest­ge­leg­ten Zeit­raum (in der Regel zwei Jahre) – auch ohne regu­lär ver­trags­ärzt­lich tätig zu sein – gesetz­lich Kran­ken­ver­si­cherte zu behan­deln und Leis­tun­gen mit der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung abzu­rech­nen. Ermäch­ti­gun­gen kön­nen erteilt wer­den, wenn dadurch eine bestehende oder unmit­tel­bar dro­hende Unter­ver­sor­gung abge­wen­det wer­den kann.

Peti­tum

Der Vor­sit­zende der Bezirks­ver­samm­lung wird gebe­ten, die Behörde für Arbeit, Gesund­heit Sozia­les, Fami­lie und Inte­gra­tion zu ersu­chen, sich bei der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Ham­burg dafür ein­zu­set­zen, durch geeig­nete Maß­nah­men, etwa durch die Ertei­lung zeit­lich begrenz­ter Ermäch­ti­gun­gen, kurz­fris­tig zusätz­li­che Kapa­zi­tä­ten für Kin­der- und Jugendpsychotherapeut*innen zu schaffen.

Zudem soll geprüft wer­den, wie mit dem Koor­di­nie­ren­den Zen­trum für trau­ma­ti­sierte Geflüch­tete (Cen­tra) und wei­te­ren ambu­lan­ten Ein­rich­tun­gen dies­be­züg­li­che Koope­ra­tio­nen geschaf­fen wer­den kön­nen. Der Vor­sit­zende der Bezirks­ver­samm­lung wird gebe­ten, hierzu den Geschäfts­füh­rer von Cen­tra in den Sozi­al­raum­aus­schuss einzuladen.

Janina Sat­zer und SPD-Fraktion

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